Karneval der Kulturen: Tolle Stimmung, tolles Wetter

Hallo ihr Lieben,

heute ein kurzer Beitrag zu meinem ersten Karneval der Kulturen in Berlin, dafür jedoch mit etwas Bildmaterial. Vom 6. bis 9. Juni 2014 wurde in Kreuzberg ein kreatives, weltoffenes und buntes multi-kulti Straßenfest gefeiert. Berlin möchte mit diesem alljährlichen Fest seine Vielfalt verdeutlichen und das kulturelle Zusammenleben seiner Bewohner zelebrieren. Ich war am Sonntag zusammen mit Nilüfer von Nilüfer-eco-fashion beim Umzug am Hermannplatz und habe über die verschiedensten Inszenierungen und die Freude der Teilnehmer gestaunt.
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Trotz der regelrechten Menschenmassen, der lauten Musiker und der hohen Temperaturen empfand ich den Karneval der Kulturen 2014 als eine sehr friedliche, freundliche und positive Veranstaltung. Teilnehmer und Gäste bildeten eine zufriedene und glückliche Masse, die einfach nur den Tag und die Atmosphäre zu genießen schien. Schade, dass wir es nicht bis zum Straßenfest am Halleschen Tor geschafft haben, dennoch bin ich sehr froh dort gewesen zu sein.
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Trotz rund 30 Grad feinster Sommertemperatur schienen die meisten den Tag gut überstanden zu haben. Ich habe mir nicht einmal einen Sonnenbrand geholt und hätte noch lange Fotos von den kleinen und großen Kostümen knipsen können.

Fashion Revolution: Who made your clothes?

Wisst ihr, wer eure Kleidung gemacht hat? Diese Frage stand im Fokus am Fashion Revolution Day. Das Etikett verrät zwar den Herstellungsort, doch was kann man sich dahinter schon vorstellen? Genau das sollten wir jedoch wissen – die Konsumenten, die Konzerne, die Designer, die Politiker. Nachrichtenportale berichten, dass sich in Bangladesh bisher nicht viel verändert hat, die erhobenen Mindestlöhne reichen mit ihren umgerechnet 50 Euro im Monat noch immer nicht zum Leben aus. Häufig wollen die Konzerne nicht mehr Geld für die Kleidung zahlen, doch die Produzenten haben durch die Auflagen mehr Ausgaben. Nun gut, wer hätte gedacht, dass sich dieses Problem auch so schnell und unaufwendig lösen lässt?!

In Berlin zeigten am Donnerstag zumindest ein paar Menschen, dass sie Rana Plaza nicht vergessen haben und das solch ein Wandel in der Textilbranche stetige Erinnerung und Aufmerksamkeit benötigt. Dazu wurde der F(l)ashMob in Wilmersdorf als „Hauptattraktion“ veranstaltet. Mit einer kleinen Choreografie und der Geste, der auf links gewendeten Kleidung, konnten zahlreiche Fußgänger auf der Wilmersdorfer Straße angelockt werden. Was mir sehr gut gefallen hat: Die Stimmung war positiv und dynamisch. Hier wurde nicht mit dem Finger auf „böse“ Konsumenten gezeigt und auch nicht leidvoll um die Opfer getrauert. Zwar stand die Veranstaltung und der ganze Fashion Revolution Day im Zeichen des Unglücks in Dhaka, doch die Zielgruppe waren die Konsumenten, die Käufer und die Träger. So habe ich es zumindest aufgefasst. Egal von welchem Label oder Designer ihr eure Kleidung kauft, irgendwo und von irgendwem wurde sie eigenhändig hergestellt. Der Blick zu den Wurzeln quasi.fashion-revolution2014

So habe auch ich mich gefragt, woher meine Kleidung kommt und wie ich zum Modekonsum und den zukünftigen möglichen Veränderungen stehe. Auch ich trug Insideout und das fiel lustigerweise eigentlich nur bei der Jeanshose auf. Die war von H&M und nicht aus Bangladesh, sondern aus Kambodscha. Man sollte nun nicht annehmen, dass nur in Bangladesh so miese Arbeitsbedingungen herrschen. Als Oberteil trug ich ein selbstgenähtes Longsleeve und eine Art Tunika, die ebenfalls selbstgenäht ist. Ich bin und war nie ein großer Shoppingfan, aus verschiedenen Gründen. Die neuesten Trends mussten mir also nicht wirklich in den Kleiderschrank. Seit geraumer Zeit bevorzuge ich hingegen das Selbstnähen von Kleidung – soweit es mir möglich ist. Schwierig wird es bei Jeanshosen, Jacken oder Unterwäsche. Die Lust auf Shoppen ist mir in den letzten Monaten jedoch regelrecht vergangen. Seit ich mich mehr mit grüner Mode beschäftige, meide ich sogar bewusst bestimmte Geschäfte. Ich schätze, es dauert nicht mehr lange, bis ich mir auch meine ersten Bio-Stoffe zum Nähen kaufe. Denn wenn man nicht gerade gezielt zu einem Eco-Laden geht, dann findet man fast überall Mode aus denn Niedriglohnländern und zudem auch noch schlechte Stoffqualität. Dann trage ich eben meine Hosen und Jacken noch ein wenig länger, schließlich braucht man doch nicht jährlich einen neuen Mantel, oder?

Aus diesen Gründen kann ich auch nicht genau sagen, wie ich persönlich auf erhöhte Preise im Modebereich reagieren würde. Denn wenn eine Fashion Revolution stattfinden soll, dann eigentlich nur umfassend und tiefgreifend. Die Superschnäppchen für unter 10 Euro dürfte es dann kaum noch geben. Wie sehr schmerzt es die Durchschnittskäuferin für das Basic-Shirt nicht mehr 7 Euro sondern 8 Euro zu zahlen. Die Jeans für 20 und nicht mehr für 15. Das sind nur Beispielzahlen, aber solche „kleinen“ Erhöhungen könnten bereits große Unterschiede/Verbesserungen ausmachen, wenn sie tatsächlich überall und von allen Konzernen umgesetzt würden. Wäre der Konsument dann empört und würde sich von seiner Lieblingsmarke abwenden? Wir sollten uns selbst fragen, ob wir auf höhere Preise klar kommen oder noch besser: uns an höhere Preise gewöhnen. Das Thema ist nun auf dem Tisch und wir als Gesellschaft müssen uns zwangsläufig damit auseinandersetzen, denn weitere Rana Plaza Unglücke möchte wohl niemand.

In diesem Sinne: Schaut beim nächsten Einkauf doch mal auf das Etikett.

Fashion Revolution Day

Hallo ihr Lieben,

am 24. April 2014 findet der erste Fashion Revolution Day statt. Er soll ein weltweiter Gedenktag zum Unglück in Bangladesch werden, bei dem über 1100 Menschen durch den Einsturz des Rana Plaza starben. Aufgrund einer Fehlkonstruktion und grober Fahrlässigkeit ist dieses Gebäude nicht nur eingestürzt, sondern hat auch vielen Hundert Arbeitern das Leben gekostet (hier ein Bericht bei zeit.de). Der Einsturz des Rana Plaza ist für die Modeindustrie zu einem Sinnbild für die Zustände in indischen (und anderen) Textilfabriken geworden. Trotz der offensichtlichen Schädigung und Gefahr des Gebäudes, wurden die Angestellten zu ihrer Arbeit am Unglückstag gezwungen. Spätestens danach wurde für die westliche Welt mehr als deutlich, dass hinter „Kleidung aus Bangladesch“ oftmals nicht nur mindere Stoffqualität steht, sondern auch ein lebensgefährliches Arbeitsumfeld.

Fashion Revolution Day

Auf diese Missstände möchte der Fashion Revolution Day aufmerksam machen. Als die erste Aktion seiner Art weiß man noch nicht genau, was uns an diesem Tag erwarten wird. In jedem Fall sind Einzelhändler, Designer oder Modeinteressierte dazu aufgerufen, ihrer Kleidung einen Namen zu geben. Unter dem Motto „Who made your clothes“ soll sich jeder zu seiner Mode bekennen und zeigen, woher diese stammt. Dies kann durch auf links getragene Shirts, Hosen und Pullis signalisiert werden. Auf fashionrevolution.org findet ihr mehr Infos zu den Veranstaltungen in den teilnehmenden Ländern. Passende Schaufensterdekorationen soll es deutschlandweit in den Hessnatur und Grüne Erde Läden geben. Ansonsten wird es auch Flashmobs geben und viele weitere Aktionen rund um Öko-Mode und faire Herstellung. In Berlin ist der Upcycling Fashion Store maßgeblich am Fashion Revolution Day beteiligt. Ich werde an diesem Tag auch in Berlin unterwegs sein und versuchen die Stimmen und Gedanken der Aktivisten und Teilnehmer einzufangen.

Who made your clothes? – Eine simple und doch so bedeutungsvolle Frage. Sie wird sogar umso bedeutungsvoller, je seltener wir sie uns stellen. Natürlich kommt unsere Kleidung nicht aus einer magischen Wunderbox, sondern wird noch immer von Menschen berührt, gefärbt, zugeschnitten und genäht. Das sollten wir uns wieder bewusst machen. Wer ist am 24. April noch mit dabei?

Alles Liebe,
Monzo

picture: Fashion Revolution Day